Makro mit Frühlingsblümchen
Ich bin seit Jahren begeisterter Makrofotograf in der Natur draussen. Warum? Erstens, weil ich mich gerne in der Natur aufhalte, die Stille geniesse und abseits der Wege quer durch den Wald streife.






Im Wildnispark Zürich blüht auf dem Tannenboden oberhalb der Station Sihlwald jeden Mai ein Teppich aus Bärlauchblüten.
Zweitens fasziniert mich, die kleinen Welten sichtbar zu machen, in die man als Normalsehender sonst nie eindringt. Der Makrokosmos enthält eine Unmenge an Kleinstmotiven, Farben, Formen und Überraschungen, die man erst durchs Objektiv hindurch entdeckt. Die Makrofotografie ist eine besondere Sehschule, denn du hast fast mit allen Gestaltungparametern zu tun, die auch in anderen Genres für perfekte Fotos wichtig sind. Und drittens bringe ich garantiert immer tolle Fotos mit nach Hause. Ich habe mehr Zeit, die Blümchen laufen nicht weg und ich kann den Kamerastandort fast beliebig variieren. Das ist bei anderen Genres völlig anders. Ich fotografiere mit meiner Canon EOS R5 Mark II fast immer im Modus manuell, sodass ich Blende, ISO und Verschlusszeit jedes Mal neu einstellen muss. Das Wort Bokeh habe ich erst verstanden, als ich intensiv mit Makro begonnen habe. Makro lernt einen, die eigene Kamera zu beherrschen. Hier zur Einstimmung ein paar Eindrücke.









Makroobjektive
Makro heisst etwas vage ausgedrückt, einen vergrösserten Abbildungsmasstab. 1:1 bedeutet zum Beispiel, dass eine Münze auf einem Vollformatsensor in der gleichen Grösse abgebildet wird. Man kann auch Bilder so zuschneiden, dass der Eindruck von Makro entsteht. Makroobjektive haben eine fixe Brennweite. Anders als bei normalen Objektiven ist der Unschärfebereich vor- und hinter dem Schärfebereich gleich verteilt. Für die Makrofotografie ist ein «normales» Objektiv mit Makro-Einstell-Möglichkeit nützlich, weil du damit ganz nah an die Motive ran kannst. Diese Objektive können unterschiedliche Brennweiten haben. Mit einem 35er-Makro-Objektiv kann man auf wenige Zentimeter an das Motiv heran. Mit einem 100er ist der «vernünftige» Abstand zum Blümchen vielleicht 30 Zentimeter. Es gibt für Makro auch günstige Zwischenringe. Oder du kannst auch mit einem 200er- oder 400er-Teleobjektiv erfolgreich Blümchen fotografieren. Makro geht auch mit einem Teleobjektiv, einem bodennahen Stativ und einem weissen Schirm für die Abschattung bei direktem Sonnenlicht. Das «Stativ» der Makrofotografie ist ein Bohnensack. Wasserdichtes Kissen mit Dörrbohnen, das eine flexible aber doch einigermassen feste Unterlage bietet.



Feste Unterlage
Mit an Bord sind auch feste Unterlagen wie ein Bohnensack, oder Stative für verschiedene Höhen. In der Makrofotografie bist du in verschiedenen «Stockwerken» aktiv. Veilchen wachsen ganz am Boden, der Bärlauch und der Frauenschuh stehen auf etwa 20 cm Höhe und der Türkenbund gedeiht auf bis zu 70 cm Höhe. Die feste Unterlage ist wichtig, da wir im Millimeterbereich und im manuellen Modus arbeiten. Gleichzeitig die Kamera auf niedriger Höhe zu halten und am Fokusring die Schärfe nachzuführen, ist freihändig sehr schwierig. Schon bei kleinster Bewegung gerät die Schärfe wieder in den Unschärfebereich. Deswegen ist ein Bohnensack ein Muss. Mein Gorillastativ ist flexibel und hat schon gute Dienste geleistet. Weiter sind Abschattungs- (weisser Schirm) oder Aufhellwerkzeuge, allenfalls auch Taschenlampen nützlich. Ich arbeite am liebsten mit einem Bohnensack, der volle Flexibilität erlaubt. Stative kommen dort zum Einsatz, wo ich mit Fokus Stacking arbeite, oder eine gewisse Bodenhöhe gefragt ist. Wenn ich mit einem 500er oder 800er Tele unterwegs bin, verhindert das Stativ Verwackelungsunschärfe, denn die offenen Blenden sind dort bei f6 bis f9 angesiedelt. Damit fotografierst du nicht mehr mit ganz kurzen Belichtungszeiten. Diese Brennweiten sind schwierig zu handhaben, weil die Motive mehrere Meter entfernt schlecht auszumachen sind und sie bei kleinsten Bewegungen des Objektivs aus dem Fokus geraten. Deshalb: Teleobjektive mit Stativ oder einer festen Auflage.
Bildideen und Wirkung
Ich sehe verschiedene Parameter, die bei der Gestaltung eine Rolle spielen. Die Frühblüher sind grundsätzlich mal niedlich und sie wachsen von unten nach oben. Die Betonung dieses Umstandes verlangt, dass ich genügend Umgebungsraum lasse und die Blümchen nicht allzu bildfüllend inszeniere. Je kleiner die Blümchen, desto zerbrechlicher und poetischer sieht das Ganze aus. Zudem lässt sich so das Hochstrebende, das Von-unten-nach-Oben schön inszenieren. Dies funktioniert vor allem mit Blüten, die sich nach oben gegen das Licht öffnen. Bei Blüten, die eine Glockenform haben, ist eine Neigung gegen unten vorhanden. Je grösser die Blüten, desto schwieriger wird’s mit der Schärfentiefe. Bei Osterglocken sind die Blüten zwischen vier und sechs Zentimeter gross – mit einem Makroobjektiv kann ich kaum die ganze Blüte scharf abbilden. Der Umgebungsraum ist grosszügig. Zusammen mit dem Bokeh entsteht eine poetische Stimmung. Hier ein paar Beispiele, wie ich das meine.







Natürlich sind auch Blütenstände ganz nah sehr attraktiv anzuschauen. Erst dann offenbaren sich Details wie Stempel, Stängel, Härchen, Äderchen oder Pollenstände. Der Ausschnitt (close-up) auf die einzelne Blüte verlangt oft eine grössere Schärfentiefe, mit der ein ganz weiches Bokeh mit einem 100er Makroobjektiv nicht zu haben ist.






Auch ganze Gruppen von Frühblumen können attraktiv wirken. In diesem Fall allerdings bewegen wir uns weg von der Makrofotografie, denn ganze Ansammlungen können ebensogut mit einem Normalobjektiv oder mit dem Handy fotografiert werden. Auch hier gibt es gewöhnlichere und auffälligere Inszenierungen.




Ein Paar zu fotografieren ist eine ganz andere Aufgabe. Bei dieser Bildidee geht’s darum, zwei Blümchen festzuhalten, die eine Beziehung eingehen. Diese Paarbildung weist eine besondere emotionale Komponente auf.












Ein sehr wichtiges Gestaltungsmittel ist die Unschärfe (auch Bokeh genannt), welche durch die Blendenwahl sowie durch die Brennweite des Objektives erzeugt wird. Das Bokeh ist umso weicher, desto offener die Blende ist. Bei Blende f3.2 ist die Unschärfe einiges weicher als bei f8, dafür ist auch die Schärfentiefe kleiner.


Wenn du also eine Unschärfe erzeugen willst, dann solltest du darauf achten, dass der Hintergrund einen möglichst grossen Abstand zum Motiv hat. Dies gelingt nur, wenn du die Kamera auf den Boden legst und nicht von oben herab fotografierst.
Im Schatten oder in der Sonne?
Ich bevorzuge diffuses Licht, wie es im Wald vorherrscht oder bei bewölktem Himmel. Die direkte Sonneneinstrahlung macht die Belichtung schwieriger, weil die hellsten Tonwerte bei weissen Blümchen wie Buschwindröschen oder Schneeglöckchen dazu neigen, auszubrechen. Bei direktem Sonnenlicht beschatte ich die Blümchen. Das wirkt ebenfalls gut, wenn das Motiv im Schatten liegt und der Hintergrund besonnt und bunt wirkt.


Farbgebung und Helligkeit
Ich stelle mir die Frage, was ich am Foto mag und welchen Ausdruck ich erreichen will. Helle Farben und Unschärfen wirken eher zärtlich, pastellig, zerbrechlich, weich, vergänglich, unterwürfig und niedlich. Dunkle und kräftige Farbtöne oder auch Schärfe wirken kraftvoll, dominant, selbstverständlich und stolz. Vieles davon kann ich auch im Nachhinein am Computer zurechtrücken, zum Beispiel die Sättigung oder die Helligkeit.




Die richtige Tageszeit
Makrofotografie lebt nicht so sehr von der unmittelbaren Lichtstimmung wie in der Landschaftsfotografie. Ich kann also problemlos zu jeder Tageszeit unterwegs sein. Es sei denn, die Sonne selbst ist ein integrierter Bestandteil der Bildgestaltung. Diese Märzenbecher stehen auf dem Zimmerberg auf einer Hügelkuppe. Die Kamera liegt auf dem Boden. Ich warte, bis die Sonne am Horizont golden untergeht.






Bildkomposition
Meine Makrofotografie lebt davon, dass ich einzelne Protagonisten in ihrem natürlichen Umfeld inszeniere. Manchmal halt auch zwei oder drei einzelne Blümchen. Selten fotografiere ich ganze Gruppen oder gar ganze Felder voller Blumen. Um die Motive freizustellen, arbeite ich mit der Blende und der Distanz von Kamera zu Motiv und von Motiv zu Hintergrund. Mir gefällt es, wenn der Hintergrund oder auch der Vordergrund in die völlige Unschärfe fällt: das wird mit dem Fachbegriff Bokeh beschrieben. Nun kann ich das Blümchen in der linken, der rechten Bildzone oder in der Mitte positionieren. Auch die Grösse spielt eine Rolle, etwas mehr Umfeld tut gut. Die Unschärfe braucht etwas Platz. Eine Blüte ganz nah und formatfüllend abzulichten, ist ebenfalls eine Spielart. Ich achte darauf, dass die Blüten ins Bild «hineinschaut».
Location
Da ich auf einzelne Blumenstände fokussiert bin, ist die Häufigkeit der Blumen nicht so wichtig. Ein Meer von Schneeglöckchen gleicht einem Wimmelbild, es lenkt den Blick vom einzelnen Blütenstand auf das schiere Meer. Das funktioniert nur, wenn es sich um farbige Teppiche handelt, wie man es von Tulpenfeldern, Lavendelfeldern, Erika oder auch von Bärlauch her kennt. Vielleicht nicht üblich, aber ich schaue zuerst auf das ganze Umfeld, auf die Lichtsituation, auf die Möglichkeit, Zerstreukreise zu erhalten, bevor ich in diesem Umfeld mir dann das eigentliche Ziel auswähle. Wenn die Blume auf einer Hügelkuppe sitzt und der Hintergrund zehn Meter oder noch weiter weit weg ist, dann ergibt sich ein wunderbares Bokeh. Der fotografische Standort ist somit ideal, wenn zwischen Blümchen und Hintergrund ein grosser Abstand ist. Ich fahre gut damit, die Kamera auf gleiche Höhe wie das Blümchen zu bringen. Auf gar keinen Fall von oben nach unten fotografieren.
Wo sind die Blümchen?
Die ersten Frühblüher sind die Schneeglöckchen, die überall zu sehen sind. Allerdings blühen sie meistens in ganzen Büscheln, die ich für nicht besonders fotogen halte. Dann folgen die Krokusse, als erste Farbkleckse im winterlichen Braun. Märzenbecher gibt es ebenfalls überall zu sehen. Sie gedeihen je nach Höhenlage bis in den Mai hinein. In Schleitheim (SH) beim Gipsmuseum vorbei der Wutach entlang stehen sie zu Tausenden dicht an dicht. Ein Besuch lohnt sich. Dann folgen die Leberblümchen, die ebenfalls im Schaffhausischen gedeihen, bei der Ruine Radegg (Osterfingen) oder im Eschheimertal. Schlüsselblümchen sind ebenfalls nicht zu übersehen, sie liegen mir jedoch nicht so, weil ich sie wie die Primeln insgesamt zu fad finde. Vor dem Tagungszentrum Schloss Au wirst du bestimmt fündig. Die in der Natur seltenen Schachbrettblümchen findet man Anfang bis Mitte April im Wädenswiler Campus Grüental der ZHAW, gleich vor dem Parkplatz wurden sie kultiviert. Schachtelhalme sind Mitte April in der Ecke Steinacherstrasse/Bachtobelweg, Au, zu fotografieren. Gleichzeitig finde ich Buschwindröschen und Veilchen, die häufig an den Waldrändern oder in lichten Waldsäumen dicht an dicht stehen. Waldsauerklee besiedelt gern verrottete und bemooste Wurzelstöcke, die an der Sihl oder im Sihlwald zu finden sind. Anfang Mai blühen im Sihlwald (bei Station Sihlwald aussteigen dann 15 Minuten Richtung Tannboden hochsteigen) ganze Teppiche von Bärlauchblüten, ein absoluter Augenschmaus. Frauenschuhe lieben bestimmte Böden, ich besuche gern eine Population im Naturschutzgebiet Tannbüel, Bargen (SH). Den Türkenbund finde ich im Juni am rechten Sihlufer oberhalb des Suenerstegs.
Unschärfekreise
Lichtpunkte, die ausserhalb der Schärfeebene liegen, erscheinen als mehr oder weniger grosse Unschärfekreise (oder auch Zerstreuungskreise). Die kreisförmigen Punkte zeigen oft die Bauweise der Blende, das heisst, sie sind nicht ganz rund, sondern erscheinen mehreckig. Zur Abgrenzung: Bokeh bezieht sich auf die verschwommene Unschärfe generell, Unschärfekreise bezeichnet nur die kreisförmigen Unschärfen. Die Streukreise werden durch die Blendenöffnung gebildet und die Distanz, die zwischen Kamera und den Lichtpunkten in der Ferne liegen. Die Kamera bildet jeden hellen kleinen Fleck als unscharfen Streukreis auf dem Sensor ab. Je kontrastreicher dieser Fleck in der Natur ist, desto heller zeichnet er sich ab. Aus diesem Grund bildet Sonnenlicht bessere Voraussetzungen für Streukreise als diffuses Licht bei bewölktem Himmel. Glitzerndes Wasser bietet einen sehr grossen Kontrast und erzeugt schöne Streukreise. Auf dem Display kannst du gut kontrollieren, wie sich die Streukreise vergrössern oder verkleinern, wenn du die Blende änderst. Beachte, dass nicht immer die offenste Blende die wirkungsvollsten Streukreise ergeben.

Wenn du die Zerstreukreise aktiv in die Aufnahme reinnehmen möchtest, musst du die Umgebung danach absuchen. Wo kleine Lichtinseln des himmels durch das Geäst schimmern, hast du gute Chancen dazu. Ich suche mir deshalb nicht zuerst die Blümchen als Motiv aus, sondern sondiere den Hintergrund. Stelle dazu beim Objektiv manuell die Schärfe auf die Distanz, die du zum Motiv haben wirst. Nun wendest du dich vom Motiv ab und suchst mit dem Display den Hintergrund mit dem Lichtflecken, die du durchs Geäst siehst. Drehe am Blendenring und vergrössere oder verkleinere die Zerstreukreise. Wenn sie dir gefallen, lässt du diese Blende bestehen und begibst dich auf die Suche nach deinem Motiv in der unmittelbaren Umgebung. Jetzt musst du nur noch die Schärfe nachführen, die Zerstreukreise hast du ja vorher bestimmt. Achte auf dem Display, dass auch kleine Bewegungen der Kamera auf dem Bohnensack einen grossen Einfluss haben, wo die Zerstreukreise im Bild auftauchen. Die Grösse der Zerstreukreise hängt vom Objektiv und von den Distanzen Kamera-Motiv-Hintergrund ab.



Welche Blende?
Es kommt auf die wünschbare Schärfentiefe an. Wenn ich die Blüte eines Leberblümchens oder eines Buschwindröschens von vorn bis hinten scharf haben will, ist eine Blende von etwa f4 bis f6 angebracht. Damit erreiche ich eine ausreichende Schärfentiefe. Bei Blenden von f2.8 bis f3.2 beträgt bei manchen Objektiven die Schärfentiefe nur gerade zwei bis drei Millimeter. Das führt wiederum dazu, dass die Blüten vorn oder hinten in der Unschärfe liegen und nur der Stempel scharf ist. Aus meiner Sicht ergeben hier lichtstarke Objektive mit Offenblenden von f1.8 keinen Sinn. Grössere Blütenstände wie zum Bespiel bei Narzisse, Türkenbund oder Frauenschuh wähle ich eher eine grössere Blende mit mehr Schärfentiefe. Dort liege ich zwischen f5 und f9. Wie schon erwähnt, ist die gewählte Blende auch verantwortlich für die Unschärfe im Vorder- oder Hintergrund.
Fokus Stacking
Um was geht es? Bei Fokus Stacking mache ich zwei, drei oder mehr Fotos vom gleichen Standort aus. Ich fokussiere bei jeder Aufnahme anders, zum Beispiel bei zwei Blümchen zuerst auf das vordere, bei der zweiten Aufnahme fokussiere ich auf das hintere Blümchen. In Photoshop kann ich nun beide Bilder in einer Datei als Ebenen öffnen. Ich wähle im Menü «Bearbeiten» Ebenen automatisch ausrichten … an. Die beiden Ebenen werden nun exakt aufeinander ausgerichtet. Nun im gleichen Menü Ebenen automatisch überblenden … anwählen. Jetzt maskiert Photoshop die beiden Ebenen und nimmt jeweils die scharfen Bildteile auf, die unscharfen werden abmaskiert. Mit dieser Methode erhalte ich bei Offenblende ein schönes Bokeh und zusätzlich eine grössere Schärfentiefe.
Welche Belichtungszeiten?
Ein entscheidender Faktor ist der Wind. Windet es, werden die Motive leicht mit Bewegungsunschärfe versehen. Daher ganz kurze Belichtungszeiten, ähnlich wie bei bewegten Motiven. Den Wind kann man zum Beispiel mit einem Schirm etwas abhalten. Oder dann suche ich mir windgeschützte Lagen. Bei Windstille kann ich problemlos auch mit 1/10 Sek. Ab Stativ oder der Bohnensackauflage fotografieren, dann allerdings mit dem Touchscreen-, mit einem Funk- oder dem Selbstauslöser. Das konventionenelle Auslösen erzeugt ebenfalls Erschütterungen, die sich in einer Verwackelungsunschärfe äussert. Normale Belichtungszeiten sind objektivabhängig mit dem 100er Makro fotografiere ich bei null Wind von etwa 1/60 bis 1/250 Sek.
Welche ISO-Zahl?
Bei genügend Licht stelle ich natürlich die ISO-Zahl auf den niedrigsten Wert: 100. Interessant ist die Höchstgrenze. Wenn das Licht ungenügend ist und es erst noch windet, schraube ich die ISO bis gegen 800 hoch. Bei höheren Werten tritt Bildrauschen auf und dieses verträgt sich nicht mit der feinen Detailschärfe der Blümchen. Feinste Äderchen in den Blütenblättern oder Härchen am Stängel sollten nicht durch eine Griessigkeit des Bildrauschens zunichte gemacht werden. Bei der Makrofotografie im Wald hat man meistens eher zu wenig Licht, also arbeite ich mit der Blende, der Verschlusszeit und der ISO-Zahl. Alle drei stelle ich im Modus «Manuell» gezielt ein.
Fotografieren mit dem Display
Bei bodennahen Blümchen klappe ich das Display auf und fokussiere die Schärfe am Objektivring manuell. Meine Kamera verfügt über eine Fokushilfe, wo ich mit drei grünen Pfeilspitzen kontrollieren kann, ob die Schärfe wirklich sitzt (bei Canon Menü AF, Seite 6/7, Fokusassistent: Ein). Dann ist da noch die Lupenfunktion am Kamerabody, mit der ich auf einen maximalen Vergrösserungsfaktor reinzoomen kann. Glücklicherweise haben inzwischen viele Kameras schwenk- und drehbare Displays, sodass auch hochformatiges Fotografieren am Boden möglich ist.
Risikos
Im Wald bin ich immer mit festen Wanderschuhen und entsprechender Kleidung ausgerüstet. Der Wald ausserhalb der Wege ist nicht ohne und schnell ist man ausgerutscht oder verstaucht sich den Knöchel. Das Handy ist deshalb immer auf dem Körper, nicht im Fotorucksack 50 Meter entfernt. Seit ich wegen eines Zeckenbisses eine Woche mit einer Frühjahrsmeningitis im Spital lag, spraye ich mich unnachgiebig mit Zeckenmittel ein. Der gute Makrofotograf liegt meistens am Boden!
Kreative Makrofotografie
Selbstverständlich können andere Arten der Fotografie auch im Makrobereich Einzug finden. So zum Beispiel fotografiere ich mit langen Belichtungszeiten und bewege die Kamera während der Auslösung. Das ergibt aparte verwischte Effekte. Mit Mehrfachbelichtungen erreichst du Wow-Effekte.




In einem andern Fall nehme ich einen Wasserdispenser und einen Schwamm mit, mit denen ich Regen simuliere. Ich stelle die Kamera auf eine feste Unterlage und richte alles ein. Mit dem Funkauslöser kann ich die Kamera auslösen, währenddem ich mit dem Dispenser Regenschauer über den Märzenbecher sprühe.




Und zum Schluss noch eine kleine Galerie zur Motivation.




















Ralf Turtschi lebt als Fotograf, Designer und Publizist in Wädenswil. Er hat sich als Autor der Bildbände «Wädenswil sehen», «Fotografie für dich» und «Fotobuchbuch» einen Namen gemacht. Ausserdem sind zahlreiche Schriften und weitere Bücher zu typografischen Themen erschienen. Der Hobbyfotograf arbeitet mit zwei Canon EOS R5 Mark II und einen breiten Spektrum an Objektiven. Kontakt: turtschi@agenturtschi.ch.

Ralf Turtschi; Fotografie für dich; 272 Seiten, Hardcover mit Klebebindung und rundem Rücken, mit über 750 Fotos und Abbildungen; Preis Fr. 40.– (exkl. Versand/Verpackung). Eigenverlag. Ansichtsexemplare und Verkauf bei Foto Tevy.