Eine Fotoreise nach Apulien
Erfahrungen und Empfehlungen für tolle Urlaubsfotos.








Apulien ist landschaftlich abwechslungsreich: pittoreske Städtchen, schöne Landschaften und ein türkisgrünes Meer.



Reisen und Fotografieren
Die meisten von uns, die ernsthaft fotografieren, nehmen die Kamera in die Ferien mit, um ihrem Hobby auch dort nachzugehen. Mit ernsthaft meine ich das Fotografieren mit einer richtigen Kamera, nicht das Knipsen mit dem Handy. Dieses ist sowieso mit an Bord. Wenn ich in den Ferien in einer Stadt unterwegs bin, so fallen mir Hunderte von Touristen auf, die nur eines im Sinn zu haben scheinen, nämlich mit gestrecktem Arm ein Selfie zu schiessen: Ich vor der Sehenswürdigkeit, Ich im Restaurant, Ich vor der Kathedrale, Ich, Ich, Ich. Nein, sowas meine ich nicht mit Fotografieren. Ich habe nichts gegen Selfies, im Gegenteil, aber ein weitwinkelverzogener Kopf am Rand des Handyfotos sieht nun einmal fotografisch gesehen bescheuert aus. Lieber bitte ich andere Personen, von mir oder uns ein Foto zu machen. Oder ich lege die Kamera auf eine Unterlage und fotografiere mit dem Selbstauslöser. Kann nicht so schwierig sein.



Ferienreisen und Fotografie sind wie Bruder und Schwester
Manchmal vertragen sie sich ganz gut und manchmal liegen sie im Streit. Wer zu zweit oder mit mehreren Personen unterwegs ist, weiss von meinem Leid: «Es reicht jetzt!» kommt immer dann, wenn man noch ein paar Aufnahmen machen möchte oder die Sonne von Wolken verdeckt ist und ich noch fünf Minuten warten möchte, um das perfekte Licht einzufangen. Denn die Nichtfotografierenden wollen schliesslich auch reisen und nicht nur fotografieren. Wer in einer Fotogruppe mit Gleichgesinnten reist, kann auf Verständnis zählen, wenn der Fotografie ausgiebig Zeit gegönnt wird. Das Reisen mit Nichtfotografierenden braucht Absprachen im Voraus, gegenseitiges Verständnis und ein gewisses Mass an beidseitiger Toleranz. Ich als Fotograf verzichte dann halt auch mal auf ein besonderes Foto, welches in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht möglich ist. Anderseits schaffe ich mir Freiräume, die die andern nicht tangieren, indem ich zum Beispiel schon mal lange vor dem Frühstück aufstehe und in den frühen Morgenstunden allein losziehe, um die goldene Stunde festzuhalten. Oder indem wir mehrstündige Zeitfenster festlegen, die ausschliesslich dem Fotografieren gehören.
Wenn wir vor Ort sind, und der Städtebummel gerade läuft, so versuche ich, die übrigen Reiseteilnehmer nicht in ihrem Erlebnis durch meine fotografische Tätigkeit allzu sehr einzuschränken. Dies beginnt mit den Fotostopps im Auto oder auf dem Velo unterwegs oder dem langsamen Vorwärtskommen, weil Fotografieren eben viel Zeit beansprucht.
Eine geplante und geführte Fotoreise mit Gleichgesinnten hat unter anderem den Vorteil, dass die Reiseroute und Motivwahl vorweggenommen ist und die Gruppenleitung weiss, was auf einen zukommt. Da wird einem gesagt, was mitgenommen werden soll. Auf der individuellen Reise durch Apulien wechseln Motive andauernd: Blumen, Bäume, Menschen, Tiere, Gassen, Kirchen, Meer, Strände, Felsen, Wellen. Auf solchen Reisen muss ich mich halt mehr mit dem auseinandersetzen, was, wann und wo ich fotografieren will.

Planung und Moodboard
Auf Reisen hilft eine Planung, die eigene Effizienz zu erhöhen und gute Fotos zu schiessen. Ich beschreibe hier eine Reise durch Apulien, die wir im Mai 2025 unternahmen. Ein Reisebüro hat uns eine Route mit fünf Hotelstopps vorgeschlagen, der wir folgen wollten. Im Vorfeld sehe ich sie durch und google all die Sehenswürdigkeiten, die wir unterwegs antreffen und besuchen sollten. Ich mache viele Screenshots davon und stelle ein Moodboard zusammen. Ein solches zeigt Ideen und bestehende Fotos, mit denen ich später ans Werk gehe. Ich mache mir dazu Notizen, zu welcher Zeit und mit welchen Mitteln ich dorthin gehen werde. Das Moodboard ist so etwas wie eine Leitlinie, die mir helfen, die Tage fotografisch auszufüllen. Ich halte darin auch fest, dass ich in einer Stadt zum Beispiel auch Menschen fotografieren möchte und nicht nur Sehenswürdigkeiten. Ein Moodboard zeigt auf der Zeitachse und auf der Reiseroute, was es wann zu bestaunen gibt. Es ist hingegen keine To-do-Liste, die man peinlich genau abarbeiten sollte.

Beim Reisen kommt einem immer wieder mal eine Schlechtwettersituation in die Quere. Und wer geht schon bei Regenwetter einen Strand fotografieren? Reisen und fotografieren bedeutet auch, sich etwas Zeit zugeben, vielleicht mal drei Nächte im gleichen Hotel zu bleiben, um dadurch Zeit zu gewinnen, einen Regenguss zu erdulden und am nächsten Tag eine andere Chance für den Sonnenuntergang zu erhalten. Wolkentürme sind im übrigen als Hintergrund interessanter als ein tiefblauer Himmel. Jeden Tag in einer neuen Destination anzukommen, kann zu fotografischem Stress führen. Lieber etwas weniger weit, dafür länger vor Ort. Fotografisches Glück erfährt man nicht im Renntempo, es wartet vor Ort.

Fotografieren und das Fliegen
Akkus-, Ersatzbatterien und Powerbanks für Kameras oder Drohnen sind im Handgepäck mitzuführen, sie dürfen 100 Wh nicht überschreiten. Die Angaben ohne Gewähr, sie sollten bei den Fluggesellschaften im Internet nachgeschaut werden. Edelweiss Air droht bei Zuwiderhandlung mit Haft oder Busse bis Fr. 20000.–. Es lohnt sich also nicht, nachlässig zu sein. Ich selbst packe schwere Objektive oder andere Ausrüstungsgegenstände auf der Hinreise mit in den Koffer. Allerdings nur solche, auf die ich in den nächsten Reisetagen nicht angewiesen bin, falls der Koffer verspätet per Taxi geliefert wird. Auf der Rückreise ist ein vermisster Koffer höchstens lästig, ich behalte auf jeden Fall meine gefüllten SD-Karten bei mir. Das Handgepäck besteht bei mir aus einem Fotorucksack, der ein Maximalgewicht von acht Kilogramm aufweisen kann. Eine zusätzliche Handtasche gilt nicht als Handgepäck und darf ebenfalls mit. Als Fotograf mit schwerem Gepäck nutze ich diese Tatsache insofern aus, dass ich einen kleinen Reiserucksack oder eine grosse Bauchtasche (meine eigene Handtasche) mitführe, die ebenfalls ein paar Kilos an Fotosachen aufnehmen können.
Spontan oder geplant
Reisen und fotografieren, zwei faszinierende Hobbys. Wer die Augen offen hält, bekommt während der Reise Tausende von farbigen Eindrücken, die wir mit allen Sinnen aufsaugen und die unsere Seele und den Geist öffnen. Reisen ist ein Abenteuer jenseits der abgetretenen Pfade des Alltags. Mit der Fotografie halte ich die Eindrücke warm und konserviere sie für mich und die anderen, denen ich anhand der Fotos das Erlebte erzähle (wie hier in diesem Blog). Das Fotografieren unterwegs lebt vom «ungeplanten Knipsen», eine Situation stellt sich urplötzlich ein und eine sofortige Reaktion ist gefragt. Wenn ich da nicht abdrücke, ist die Geschichte schon vorbei.


Reisegruppe vor dem Standbild des heiligen Nikolaus auf dem Vorplatz der Kathedrale in Bari. Mir gefiel die Geste der Statue und musste etwas warten, bis eine Touristenschar aufkreuzte, um Fotos davon zu machen. Jetzt scheint der Heilige die Schäfchen zu segnen. Das Vorausahnen der Situation erlaubt, den «Zufall» zu inszenieren.
Eine Landschaft oder auch Architektur hingegen geben mir Zeit, das richtige Objektiv aufzusetzen, den Ausschnitt zu wählen und alle nötigen Einstellungen an der Kamera vorzunehmen. Bei Natur- und Landschafts- oder Architekturfotos kann ich in Ruhe Motive auswählen und variieren. Dabei ist nicht Spontanität der Treiber, sondern der Wille, eine gute Gestaltung ins richtige Licht zu setzen. Wie in der folgenden Galerie von Mohnblumen, die unter Olivenbäume gedeihen. Sie finden sich auf dem Weg zum Castel del Monte südlich von Andria. Mein Lieblingslicht in der Natur ist das Gegenlicht. Es bringt die Farben des Grüns und des Rots der Natur besonders zu Leuchten.
















Ortschaften, wie aus einem Guss
Apulien ist dicht besiedelt, so wie bei uns in der Schweiz auch. Klar gibts auch hier 08/15-Siedlungen, Agglomerationen und richtig schlechte Strassen. Man sieht es an dem Strassenzustand an, in welchen Gegenden Geld für Investitionen vorhanden ist und in welchen nicht. Als Fototourist bin ich aber den Schönheiten auf der Spur, die hier fast überall warten bewundert zu werden. Wir haben viel pittoreske Dörfer besucht, die allesamt ihren Charakter erhalten haben. Wohl auch, weil restriktive Bauvorschriften eine Wildwuchs in den Altstädten verhindern.


















Peschici, das blau-weisse Bijou
Ganz im Norden von Apulien liegt das Dörfchen Peschici, das auf einer Felsklippe klebt. Die Häuser sind in griechischer Art weiss getüncht, und zeigen viele blaue Farbakzente.









Antizipieren, nicht einfach knipsen
Es gilt beim Erkunden und Reisen die Situation zu antizipieren und sich nicht überraschen zu lassen. Die Kamera hängt schussbereit am Gurt (nicht abgestellt), ISO, Blende und Verschlusszeit sind voreingestellt. Die Einstellungen gehen auf die Motive ein: Bei Architektur (stehendes Motiv) achte ich auf eine ausreichende Schärfentiefe, während ich bei bewegten Motiven (wie Tieren oder Menschen) eine kurze Belichtungszeit einstelle, um mir keine Bewegungsunschärfe einzuhandeln. Weil ich viele unterschiedliche Motive fotografiere, muss ich die Kameraeinstellungen immer wieder neu checken und einstellen. Man kann natürlich auch mit der Programmautomatik P arbeiten, die in vielen Genres einen annehmbaren Kompromiss liefert. Wer wie ich aber das Beste aus den Motiven machen will, kommt auf manuelle Einstellungen nicht herum. Nicht die Kamera soll bestimmen, wie die Unschärfe im Bild gesetzt wird, das mach ich lieber selbst. Ich verwende zum Beispiel oft die Plus-Minus-Korrekturmöglichkeit, um das Bild richtig zu belichten. Die Kamera kann auch nicht festlegen, wie kurz die Belichtungszeit sein soll, um ein bewegtes Motiv scharf zu erwischen.



Die richtige Ausrüstung
Beim reisen und fotografieren, geht’s vor allem um eines: das Gewicht. Mit zunehmendem Alter wird eine grosse Kamera mit schweren Objektiven zu einer körperlichen Belastung. Wer möchte schon mit einer Ausrüstung von 10 Kilo am Rücken stundenlang eine Stadt entdecken? Zum Glück gibt es heute leistungsfähige Systemkameras mit einem Reisezoom, die gute Fotos zulassen, ohne die Fotografin in die Knie zu zwingen. Es ist halt so, dass man in der Regel die Kamera in die Ferien mitnimmt, die man zu Hause hat. Ich selbst mit zwei Kamerabodys Canon EOS R5 Mark II unterwegs, im Auto führe ich die ganze Ausrüstung für die Reise mit. Wenn ich vor Ort fotografiere, nehme ich mir daraus ganz gezielt die beiden Objektive für das Motiv in einem kleinen Fotorucksack mit. Also zum Beispiel sitzt auf einer Kamera das RF 24–70 mm, auf der anderen das RF 70–200 mm. Die meisten von uns sind wohl mit einer Kamera unterwegs. Hier stellt sich die Frage nach dem idealen Reiseobjektiv. Ich empfehle, die Brennweite von etwa 20-200 mm damit abzudecken, damit kann ich die meisten Motive unterwegs ablichten. Ein Reisezoom mit einer grossen Abdeckung hat den Vorteil, dass ich unterwegs nicht dauernd das Objektiv wechseln muss. Es gibt hier bei jeder Marke und bei jeder Sensorgrösse ein gutes Angebot, der Fotofachhändler weiss Rat, wenn Wunsch und Budget vielleicht etwas auseinanderliegen. Bei den Objektiven gilt: je lichtstärker sie sind, desto mehr geht’s ans Portemonnaie.
Wer schon eine Kamera und die Ausrüstung besitzt, wird seine Reise damit antreten, die gilt für die semiprofessionellen Kameras und die Spitzenmodelle. Es stellt sich die Frage, ob man die schwere Ausrüstung besser zuhause lässt und anstelle derer eine Kompaktkamera mitführt.
Kompaktkameras haben das Objektiv fix verbaut, sie sind leicht und echte Allrounder. Für ca. 500 Franken sind sie die erste Wahl fürs kleine Budget, nur um drei zu nennen (von links): Panasonic DC-FZ 82 D, Panasonic Lumix DC-TZ 99 oder die Olympus TG-7.

Bei der nächsten Kategorie kann das Objektiv gewechselt werden, auch ist die Auflösung besser und die Kamera hat viele Einstellungsfunktionen. Auch hier ein paar Nennungen, oben von links: Canon EOS R10 oder R50, Nikon Z30 oder Z50 II, Sony Alpha 6400, unten von links: Olympus OM-D E-M1 III und Olympus OM-D E-M 10 IV.

Die Kamerawahl ist immer ein Kompromiss zwischen dem, was man damit machen will, dem Budget, dem Gewicht und den Qualitätsansprüchen. Qualität heisst zum Beispiel Spritzwasser- und Staubschutz und eine robuste Bauweise. Das alles führt zu mehr Gewicht und zu einem höheren Preis. Es ist als Anfänger sehr schwierig, das passende Modell zu finden, auch wenn im Internet Testberichte und Empfehlungen zuhauf vorhanden sind. Das persönliche Gespräch mit dem Fachhändler führt aus meiner Sicht am leichtesten zum ersehnten Ziel, künftig mit einer echten Digitalkamera Fotos zu schiessen, die sich eigentlich in fast allem qualitativ von Handybildern absetzen.
Vollformat, APS-C oder MFT?
Mit der Formatfrage ist hier einmal die Sensorgrösse gemeint. Also die Grösse, die mit lichtempfindlichen mikroskopisch kleinen «Pixeln» bestückt ist. Ein Sensor kann heute je nach Grösse und Bauweise ca. von 24 bis 60 Millionen Pixel aufzeichnen. Je mehr Pixel, desto grösser ist die Aufzeichnungsdichte, was sich auf die Schärfeleistung auswirkt. Vollformat bedeutet das Kleinbildäquivalent 36 x 24 mm. Mit APS-C ist die Hälfte davon, 24 x 18 mm, gemeint und MFT bedeutet Micro Four Thirds, etwa 17 x 13 mm. Alle Formate haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile und sie werden bei den Kameraherstellern unterschiedlich verbaut und teilweise auch bezeichnet.

Man schiesst nicht wegen der Ausrüstung gute Ferienfotos. In bestimmten Fällen hilft diese, dass die Aufnahmen gelingen. In einer Kathedrale bin ich mit dem Weitwinkel nun einmal besser dran als mit einem 200er-Tele. Ich höre viel, dass die beste Kamera die ist, die man gerade dabeihat. Es wird auf das Handy angespielt. Nun, auch ich habe das Handy selbstverständlich dabei. Und fotografiere gelegentlich sogar damit. Allerdings, wenn ich mir die flauschig-verschwommenen Fotos auf meinem Grossmonitor dann ansehe, verzichte ich darauf, sie weiter zu verarbeiten und sie zu meinem guten Kamerabildern hinzuzufügen. Sie sind einfach qualitativ zu schlecht, zu wenig scharf, mit Objektivverzügen und vielem mehr. Sie sehen auf dem Handy gut aus, dort sollen sie bleiben und können sofort über Social Media geteilt werden. Mit Fotos richtiger Kameras können sie einfach nicht mithalten.
Zur Reiseausrüstung gehören immer ein leichtes Reisestativ, sowie diverse Graufilter und sonstiges Zubehör wie Fernauslöser, Polfilter, Ersatzakkus und Aufladegeräte. Für mich immer dabei eine Mehrfachsteckdosenleiste. Wie oft schon habe ich mich genervt, weil im Hotelzimmer zu wenig Steckdosen vorhanden waren und diese sogar an unzugänglicher Stelle versteckt. Ausserdem habe ich meine Drohne dabei, die für gewisse Übersichten sorgt.
Stützendes Mauerwerk ist ein Merkmal südlicher Altstädte und auch Kirchen. Ich benutze dafür gerne mein 10–20er-Zoomobjektiv, welches zwar stürzende Linien erzeugt, jedoch ein grosses Bildfeld einfängt.




Die richtige Zeit und die Lichtstimmung
Dies vorweg: Es gibt nicht schlechtes und gutes Licht. Ich kann zu jeder Tages- und Nachtzeit tolle Urlaubsfotos gewinnen. Sie haben einfach eine andere Wirkung. In einer engen italienischen Gasse ist das Mittagslicht vielleicht sogar vorteilhaft, weil die Schatten des Mauerwerks sichtbar werden. Auf der anderen Seite sind warme Lichtstimmungen in der goldenen Stunde oder ein Sonnenuntergang halt schon besonders romantisch. Das Problem der Reisefotografie ist der Tagesablauf. Die Essenszeiten im Hotel sind aus meiner Optik immer dann, wenn draussen beste Lichtstimmungen vorherrschen. Essen und blaue Stunde stehen sich grundsätzlich im Weg. Da hilft die Planung, um welche Zeit vor Ort Sonnenaufgang und -untergang stattfinden, daraus abgeleitet goldene Stunde und die blaue Stunde. Ich weiss also mit Hilfe des Moodboards im voraus, bei welchem Fotohotspot ich gerne die blaue Stunde fotografieren möchte. Ich weise meine Mitreisenden darauf hin, die Essenszeit doch bitte an diesem Tag darauf abzustimmen. In Apulien geht die Sonne rund eine Stunde früher unter als in unseren Breitegraden.





Mit JPG oder mit RAW fotografieren?
Eine Frage, die sich immer wieder stellt. Wer seine Bilder mit einem RAW-Konverter (Lightroom, Photoshop, Capture One, Luminar usw.) entwickelt, der hat sich wohl längst vom Bildformat JPG verabschiedet. Mit JPG entwickelt die Kamera nach einem Algorithmus die Bilder und schreibt sie «gebrauchsfertig» auf die SD-Karte. Beim JPG-Datenformat ist oft festzustellen, dass bei Landschaftsaufnahmen entweder die Wolken zu hell oder der Vordergrund zu dunkel wirken. Solche Belichtungsfehler kann man mit der RAW-Entwicklung sehr gut aussteuern. Zudem sind einige Korrekturmöglichkeiten, die in Photoshop oder Lightroom zur Verfügung stehen, bei JPG nicht verfügbar.
«Was machst du eigentlich mit all deinen Fotos?»
Diese Frage muss ich mir immer wieder anhören. Auf einer Reise fotografiere ich allerdings oft und gerne. In vierzehn Tagen kommen gut und gerne gegen 3000 Aufnahmen zusammen, davon viele Varianten, Hoch- und Querformate, und auch solche mit anderen Einstellungen wie Belichtungszeit oder Blendenwahl. Daraus lösche ich beim Entwicklungsprozess etwa die Hälfte aller Fotos. Ich lerne beim Selektionieren nochmals gut hinzuschauen. Die Kompetenz für die fotografische Bildkomposition lernt man durchs nachträgliche Betrachten und Löschen! Wer viel fotografiert, lernt schneller, gut zu werden. Alle Bilder werden mit einer Bildunterschrift benannt, mindestens will ich später wissen, wo das Bild aufgenommen wurde. In drei bis fünf Jahren lösche ich nochmals etwa die Hälfte aller verbliebenen Fotos. Von den besten stelle ich ein Fotobuch her, das ich zum Teilen der Urlaubsfreuden gerne anderen zeige.

Apulien, du Schöne
Ganz im Süden Italiens liegt ein besonders anmutiger Landstrich im Stiefelabsatz, der vom Sporn bis hinunter an die Absatzspitze reicht. Apulien ist eine bekannte Badedestination, aus der Schweiz nicht so viel besucht wie die nördlicheren Regionen Italiens. Bari ist die Hauptstadt mit dem Flughafen, Brindisi und Lecce sind zwei weitere grössere Städte. Apulien weist eine reichhaltige Geschichte auf, die Griechen und die Normannen haben die Kultur geprägt. Im Norden liegt der Nationalpark Gargano um 800 Meter mit bewaldeten Hügelzügen fast wie bei uns, im Süden warten ewiglange weisse Sandstrände und dazwischen eine reiche Kulturlandschaft, die von Olivenbäumen geprägt ist. Weite Kornfelder wiegen sich im lauen Wind und im Salento stehen Rebstöcke soweit das Auge reicht. Am Meer und auch im Landesinnern liegen weiss verputze Städtchen. Auf Felsklippen kleben sie wie Vogelnester, ihr Weiss kontrastiert mit dem Grün der Umgebung und dem Blau des Meers. Die grossen Gebäude und Kathedralen sind eindrucksvolle Zeitzeugen von der Romanik bis hin zum Barock. Als Reisende quer durch Land zu fahren und die einzelnen Hotspots zu besuchen, ist schon ein Privileg. Wir sind von Bari aus mit dem Mietwagen ganz hinauf und dann wieder ganz in den Süden. Apulien im Mai bedeutet Grün – alles blüht, die Strassen sind von Wildblumen in allen Farben gesäumt. Die touristischen Badeorte sind allesamt noch geschlossen, die Sonnenschirme stehen in Reih und Glied – aber alles ist leer. Auch in den Städtchen halten sich die Menschenmassen in Grenzen. Wir möchten allerdings nicht in der Hauptsaison hier sein. Sowieso ist Fotografieren in den Tourismushotspots eher etwas, das ich gerne meide. Die Tagestemperaturen liegen bei angenehmen 20 bis 25 Grad. Zum Fotografieren gibt es, wie meine Beispiele zeigen, mehr als genug der Motive.









Mauern, Steinböden oder Stillleben, in Apulien bleibt kein Auge trocken.








Ralf Turtschi lebt als Fotograf, Designer und Publizist in Wädenswil. Er hat sich als Autor der Bildbände «Wädenswil sehen», «Fotografie für dich» und «Fotobuchbuch» einen Namen gemacht. Ausserdem sind zahlreiche Schriften und weitere Bücher zu typografischen Themen erschienen. Der Hobbyfotograf arbeitet mit zwei Canon EOS R5 Mark II und einen breiten Spektrum an Objektiven. Kontakt: turtschi@agenturtschi.ch.

Ralf Turtschi; Fotografie für dich; 272 Seiten, Hardcover mit Klebebindung und rundem Rücken, mit über 750 Fotos und Abbildungen; Preis Fr. 40.– Eigenverlag. Erhältlich bei Foto-Tevy, Wädenswil oder direkt beim Verlag https://turtschi.medienwerkstatt.ch
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